“Zuhören ist der Startpunkt allen Tuns im Social Web.”

Im Internet kann sich jeder äußern, wie es ihm gefällt – mit Rücksicht auf sich selbst und seine Mitmenschen. Geht es um den guten Ruf und Öffentlichkeitsarbeit, tut gut daran, wer zuhören kann. Das Internet hat “nur” die Welt vernetzt; das Web 2.0 hat die Kommunikationskultur verändert und sich ihrer Hierarchien entledigt.

“Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten…..” und die Meinungsfreiheit ist im deutschen Grundgesetz verankert.
Es darf jede(r) denken, was er/sie will. Und im Prinzip darf auch jede(r) sagen, was sie/er denkt und meint, auch im Internet, Web 2.0 und in den Sozialen Netzwerken, im realen Leben und in der virtuellen Welt.
Das kann man halten wie ein Dachdecker.
Das ist nun seit geraumer Zeit so!

Für das Internet und Social Media sollte man sich im Klaren darüber sein, dass man sich in der Regel im öffentlichen Raum äußert – nicht im stillen Kämmerlein, nicht gegenüber Freunden, nicht am Stammtisch, sondern öffentlich.

Es liegt auf der Hand, dass das Prinzip damit gewisse Einschränkungen erfährt und Rücksichten gebietet, wenn man

    a.) nicht ausschließlich als “Privatperson” unterwegs ist.
    b.) sich öffentlich äußert – auf dem real existierenden Marktplatz oder in der Öffentlichkeit des Internets.

Ein guter Ruf geht weit, ein schlechter noch viel weiter.
(Jüdisches Sprichwort)

Das gilt erst Recht, wenn man auf den eigenen Ruf, Leumund, Reputation bedacht ist oder einem Unternehmen, einer Organisation, einer Sache diesbezüglich Rücksicht schuldet, was faktisch für fast jeden gilt:

    – für Angehörige/Mitarbeiter von Unternehmen, Organisationen, Institutionen, denen sie zugerechnet werden können.
    – für Angehörige von Berufen/Berufsgruppen, denen sie zugerechnet werden können UND tatsächlich auch
    – für Jugendliche, mit Rücksicht auf ihre Zukunft.

Sieht man mal von den wenigen Ausnahmemenschen ab, die lieber durch Untugenden auffallen als gar nicht, weil sie offenbar einen schlechten Ruf mit Berühmtheit verwechseln, ist das zunächst einmal der “neuen Öffentlichkeit für Jedermensch” geschuldet.

PR in Zeiten von Web 2.0

Anders als gemeint werden könnte, heißt das nur nicht für alle, jeden und jedermensch “Macht, was Ihr wollt, aber tut es mit Rücksicht!” Das Web 2.0 ist keine Einbahnstrasse, im Gegenteil!

Die ganze Welt ist vernetzt,

    – vorbei die “Offline-Zeiten”, in denen Chefs und Journalisten bestimmten, was öffentlich wird,
    – vorbei die Zeit des Web 1.0, in denen Chefs, Journalisten und ein paar Nerds auf allen Kanälen senden konnten, was sie veröffentlicht wissen wollten.

“Wir sind keine Zuschauer oder Empfänger oder Endverbraucher oder Konsumenten. Wir sind Menschen – und unser Einfluss entzieht sich eurem Zugriff. Kommt damit klar.”
Das Cluetrain-Manifest

Mit dem Web 2.0 hat die Öffentlichkeitsarbeit die Gegenrichtung erhalten: Bürger, Verbraucher, Kunden, Mitarbeiter, Geschäftspartner, Kollegen, Mitglieder, Leser …, können sich artikulieren und Stellung beziehen und das ganz öffentlich.

Ich sagte es schon: Im Web 2.0, in Social Media, geht es um Kommunikation, ums Zuhören und den Dialog.

Zwischen den Zeilen lesen

Den einen oder anderen wird das schrecken und manch einer wird es sogar als “Zwei-Fronten-Krieg” betrachten. Eine Herausforderung ist es ganz gewiss. Aber Mund-zu-Mund-Propaganda hat es immer gegeben. Diese hat nur eine andere Dimension bekommen, in der es darauf ankommt, im mehr oder minder größerem Stil, Stimmungen aufzufangen, Tonalität wahrzunehmen und im wahrsten Sinne des Wortes zwischen den Zeilen zu lesen.

Diese Herausforderung kann man aber annehmen und als Chance begreifen, mit dem zusätzlichen Input und Feedback voranzukommen.

Das Web 2.0 hat die Kommunikationsstruktur und -kultur verändert, und mit ihr zuweilen auch die in Unternehmen, Institutionen und Verbänden.

Buchtip! Für die, die es wirklich wissen wollen: PR im Social Web, Das Handbuch für Kommunikationsprofis, Marie-Christine Schindler & Tapio Liller, O’Reilly, Köln, 3. Auflage ISBN 978-3-95561-626-7

Was sagt Ihr dazu? Was halten Sie davon?